Samstag, 8. August 2015

Der wohl schönste Tanz des Lebens…


Ich habe neulich ein paar alte Fotos für eine ganz lustige facebook-Aktion durchgeschaut, bei der man an 5 aufeinanderfolgenden Tagen 5 Fotos von sich posten sollte, die älter sind als 15 Jahre. Ich bin ja sonst nicht so ein Freund von so etwas, aber ich hatte schon so viele lustige Bilder gesehen, dass ich nun auch einfach mal „dran“ war.

Ich schaute nach mehr oder weniger vernünftigen Bildern und stieß auf die Bilder meines Abiballs und habe mich sofort in Erinnerung daran verloren. Wow, was für ein großartiger und bedeutender Abend! Du warst befreit, weil du das Abitur geschafft und hinter dir hattest und es sollte nach allen lustigen Streichen und Veranstaltungen  im Schulgebäude dort auf dem Saal nun alles seinen würdigen Abschluss finden. Es war Zeit mit den Schulfreunden und Eltern zu  feiern und den letzten großen gemeinsamen Abend zu begehen. Ich glaube, es wurde uns allen klar, dass nun ein neues Leben vor uns stand und wir alle auseinander gehen würden.

Vielleicht waren wir auch deshalb noch einmal verrückter als vorher und haben alles gegeben: Wir haben gelacht, gesungen, getrunken und getanzt.  Wir haben uns in den Armen gelegen und noch so manches Geheimnis gelüftet. Ich erinnere mich zum Beispiel an blau gefärbtes Scharmhaar (nicht bei mir, um das gleich klar zu stellen!) und dass wir noch ein Outing für eine nicht so beliebte Mitschülerin vorgenommen haben, denn ihr Schwarm musste das unbedingt noch zu hören bekommen… Es war schließlich auch der letzte Abend für eine kleine Rache.

Aber wir waren beim Tanzen und beim heimlichen Schwarm: Naja, so heimlich war es gar nicht, dass ein Mann in meiner Schulzeit ganz besonders für mich war und ich muss mich noch heute bei meinen Freundinnen und bei meiner Mutter für ihre Geduld bedanken, die sich immer alles anhören mussten.

 Ja, ich war sehr verliebt in meinen Musiklehrer! Im Unterricht hing ich an seinen Lippen, ich liebte es, wenn er Klavier spielte und habe in jeder Pause sowie vor und nach dem Unterricht auf dem Schulweg gehofft, ihn zu sehen. Dafür habe ich komische Dinge getan, bin sogar früher aufgestanden oder habe mehr Zeit in der Schule verbracht als nötig. Ich habe ihn angehimmelt, aber natürlich nie etwas gesagt und habe auch keine Briefchen geschrieben, da mir die Sinnlosigkeit durchaus bewusst war.

Ich habe sogar einen anderen Leistungskurs genommen als geplant. Nein, nicht um seinen Kurs zu belegen, sondern um nicht zu ihm zu kommen. Es wäre mir nicht möglich gewesen, in seinem Deutschleistungskurs zu sitzen und Texte oder Gedichte zu interpretieren. Das hätte in einer Katastrophe geendet. Manchmal kann ich zum Glück auch schüchtern sein.

Aber beim Abiball wusste ich, dass ich meine letzte Chance nutzen musste, einmal mit ihm zu tanzen. Als er schon nach Hause wollte, habe ich nach einigen Wodkas meinen ganzen Mut zusammen genommen und habe ihn nach einem letzten Tanz gefragt.  

Es war der bisher schönste Tanz meines Lebens und nie wird er jemals wissen, was mit dieser bedeutet hat. Nie wird er wissen, wie oft ich am Fenster stand, nie wird er wissen, wie oft ich seinen Namen auf ein Stück Papier gekritzelt habe. Wir haben uns nie wieder unterhalten, aber gesehen und noch heute werde ich nervös, wenn ich ihn bei den gelegentlichen Besuchen in Stade sehe.
Die größte Liebe ist die, die sich nie erfüllt und so werde ich bis ich alt und grau bin mit einem Lächeln an unseren letzten Tanz des Abends denken


Und ich danke allen, die diesen Moment für mich festgehalten haben….