Der wohl schönste Tanz des Lebens…
Ich habe neulich ein paar alte Fotos für eine ganz lustige
facebook-Aktion durchgeschaut, bei der man an 5 aufeinanderfolgenden Tagen 5
Fotos von sich posten sollte, die älter sind als 15 Jahre. Ich bin ja sonst
nicht so ein Freund von so etwas, aber ich hatte schon so viele lustige Bilder
gesehen, dass ich nun auch einfach mal „dran“ war.
Ich schaute nach mehr oder weniger vernünftigen Bildern und stieß
auf die Bilder meines Abiballs und habe mich sofort in Erinnerung daran
verloren. Wow, was für ein großartiger und bedeutender Abend! Du warst befreit,
weil du das Abitur geschafft und hinter dir hattest und es sollte nach allen
lustigen Streichen und Veranstaltungen im Schulgebäude dort auf dem Saal nun alles seinen
würdigen Abschluss finden. Es war Zeit mit den Schulfreunden und Eltern zu feiern und den letzten großen gemeinsamen
Abend zu begehen. Ich glaube, es wurde uns allen klar, dass nun ein neues Leben
vor uns stand und wir alle auseinander gehen würden.
Vielleicht waren wir auch deshalb noch einmal verrückter als
vorher und haben alles gegeben: Wir haben gelacht, gesungen, getrunken und
getanzt. Wir haben uns in den Armen
gelegen und noch so manches Geheimnis gelüftet. Ich erinnere mich zum Beispiel
an blau gefärbtes Scharmhaar (nicht bei mir, um das gleich klar zu stellen!)
und dass wir noch ein Outing für eine nicht so beliebte Mitschülerin vorgenommen
haben, denn ihr Schwarm musste das unbedingt noch zu hören bekommen… Es war schließlich
auch der letzte Abend für eine kleine Rache.
Aber wir waren beim Tanzen und beim heimlichen Schwarm: Naja,
so heimlich war es gar nicht, dass ein Mann in meiner Schulzeit ganz besonders für
mich war und ich muss mich noch heute bei meinen Freundinnen und bei meiner
Mutter für ihre Geduld bedanken, die sich immer alles anhören mussten.
Ja, ich war sehr
verliebt in meinen Musiklehrer! Im Unterricht hing ich an seinen Lippen, ich liebte
es, wenn er Klavier spielte und habe in jeder Pause sowie vor und nach dem
Unterricht auf dem Schulweg gehofft, ihn zu sehen. Dafür habe ich komische
Dinge getan, bin sogar früher aufgestanden oder habe mehr Zeit in der Schule
verbracht als nötig. Ich habe ihn angehimmelt, aber natürlich nie etwas gesagt und
habe auch keine Briefchen geschrieben, da mir die Sinnlosigkeit durchaus
bewusst war.
Ich habe sogar einen anderen Leistungskurs genommen als
geplant. Nein, nicht um seinen Kurs zu belegen, sondern um nicht zu ihm zu
kommen. Es wäre mir nicht möglich gewesen, in seinem Deutschleistungskurs zu
sitzen und Texte oder Gedichte zu interpretieren. Das hätte in einer
Katastrophe geendet. Manchmal kann ich zum Glück auch schüchtern sein.
Aber beim Abiball wusste ich, dass ich meine letzte Chance nutzen musste, einmal mit ihm zu tanzen. Als er schon nach Hause wollte, habe ich nach einigen Wodkas meinen ganzen Mut zusammen genommen und habe ihn nach einem letzten Tanz gefragt.
Aber beim Abiball wusste ich, dass ich meine letzte Chance nutzen musste, einmal mit ihm zu tanzen. Als er schon nach Hause wollte, habe ich nach einigen Wodkas meinen ganzen Mut zusammen genommen und habe ihn nach einem letzten Tanz gefragt.
Es war der bisher schönste Tanz meines Lebens und nie wird
er jemals wissen, was mit dieser bedeutet hat. Nie wird er wissen, wie oft ich
am Fenster stand, nie wird er wissen, wie oft ich seinen Namen auf ein Stück
Papier gekritzelt habe. Wir haben uns nie wieder unterhalten, aber gesehen und noch
heute werde ich nervös, wenn ich ihn bei den gelegentlichen Besuchen in Stade
sehe.
Die größte Liebe ist die, die sich nie erfüllt und so werde
ich bis ich alt und grau bin mit einem Lächeln an unseren letzten Tanz des
Abends denken ♥
Und ich danke allen, die diesen Moment für mich festgehalten
haben….
