Mittwoch, 16. Dezember 2015

ICH BIN EINE MINDERHEIT

Ja, ich habe diese Woche lernen müssen, dass ich zu einer Minderheit gehöre.

Das wurde mir mitgeteilt, da ich es gewagt hatte, die Heilige Helene und ihre jaulige Weihnachts-CD zu kritisieren. Und zusätzlich habe ich noch meine Nichtfreude am Weihnachtsfest bzw. der Vorweihnachtszeit kundgetan, denn diese übertrieben praktizierte Fröhlichkeit, mit der man auch den größten Einkaufs- und Geschenke-Ausdenk-Stress begeht, gehen mir einfach nur auf die Nerven.

Ja, und da braucht es nur ein Zeile von Hexen-Helene, die nicht bezaubert, sondern das Fass zum Überlaufen bringt.

Da ich mich zwischendurch aber auch mal selber gerne reflektiere und mich gefragt habe, ob ich wirklich zu einer Minderheit gehören möchte, die weder die deutsche Schlagerqueen noch das Fest um die Geburt des Herren idealisiert, bin ich noch zu einer ganz anderen Erkenntnis gelangt:

Ich habe nämlich festgestellt, ich gehöre nicht zu einer Minderheit, nein ich BIN eine Minderheit.

Ich bin ich. Und nur ich  - meine ganz eigene kleine Minderheit mit meiner ganz eigenen Meinung. 

Mit meinen Empfindungen, meinen Gefühlen, mit allem was mich ausmacht.

Ich habe meine eigene Meinung und wisst ihr, was mich noch zu einer weiteren Minderheit und fast ausgestorbenen Rasse macht: Ich vertrete diese auch und bin nicht wie das Fähnlein im Wind und passe mich nicht der Gesellschaft an wie ein willenloses Chamäleon.

Ich gönne mir den Luxus, ich zu sein. 

Ich darf anders sein und anders denken, das kann mir nämlich keiner nehmen. Und wenn man sich einmal so bedenkt und akzeptiert hat, fühlt sich das verdammt gut an.


Nur einen Haken oder ein paar Dinge gibt es doch doch beim Umgang mit den "Mehrheiten" zu beachten, wenn wir nicht vorhaben als Einsiedler zu leben und die Zivilisation hinter uns zu lassen (darüber nachgedacht habe ich schon, als mir mal wieder ein Einkaufswagen in den Hacken steckte):

Folgende Regeln wären ganz angebracht:


Habe deine Meinung, aber…

… urteile nicht schlecht über andere Menschen und Meinungen, denn du steckst nicht in Ihrer Haut.


… bewerte andere Menschen nicht, denn du kannst deine Empfindung, deine Gefühl nicht steuern. Sie sind gehören zu dir und machen dich nicht besser und schlechter als andere.

… verletze niemanden bewusst mit deiner Meinung, versuche deine Meinung angemessen zu kommunizieren.

… erkläre deinen Standpunkt, denn wie soll man dich sonst überhaupt verstehen?

… höre dir andere Meinungen an, nur so kannst du andere verstehen und nur deine Meinung festigen oder auch mal revidieren, was nichts mit ständiger Anpassung zu tun haben darf, aber auch mal eine Erkenntnis sein kann, wenn man wirklich falsch lag oder noch keine andere Sichtweise in Betracht gezogen hat.

Ich werde die Fischerin und ihr Getue nimmer mögen. Ich mag aber ebenso wenig ABBA und Death Metal.


Ich mag das Weihnachtsfest bei der Familie, aber nicht die Weihnachtslieder, die ich hören und die Schlachten, die ich mit Fremden in Geschäften schlagen muss.

Ich mag Hunde und kann Katzen nicht leiden. Ich esse lieber Tofu als Fleisch.

Ich gucke lieber „Stromberg“ als „Sex in the City“. Ich höre lieber Hörbücher statt zu lesen und da lieber Thriller als Liebesromane.

Ich mag die Kälte eher als die Wärme und den Abend eher als den Morgen. Den Mond und die Sterne lieber als sie Sonne. 

Und für einen Cola-Bacardi lasse ich auch mal ein Glas Champagner stehen.


Ich bin kein Mainstream, ich bin anders und ich mag die Menschen, die mich und sich selber akzeptieren können, denn die fühlen sich auch nicht immer gleich angegriffen.


PS. Danke K. für diese Erkenntnis – und das ist ernst und nicht böse gemeint J!




Mal anders, mit Spitzen, Ecken und Kanten :)

Freitag, 11. Dezember 2015

VON DEM FLUCH IMMER ERREICHBAR SEIN ZU MÜSSEN

Ich bin dann mal weg – wie gerne würde ich das viel öfters sagen, doch wie oft kommt das eigentlich vor, dass man sich mal „rarmachen“ kann? Rarmachen darf? Ok, ich bin selbstständig und auch immer gerne für meine Kunden da – wenn es nicht gerade morgens vor halb acht ist. 

Aber was ist mit der kurzen und kostbaren privaten Zeit? Und wie oft, wird selbstständig damit verwechselt, dass man sich ja für alles und jeden auch Zeit nehmen kann, wenn man das bloß will?

Wenn man ehrlich ist, darf man doch fast gar keine Nachricht nicht mehr lesen und kein Telefonat nicht mehr annehmen. Überall musst du präsent sein. Du bist durchsichtig und online. Du sieht, wann wer was bei facebook postet, du siehst die verdammten blauen Häkchen bei WhatsApp und jeder erwartet, dass du dein Telefon überall mit hinnimmst bzw. deinen Toilettengang nach Möglichkeit sofort abbrichst, wenn deine Smartphone wieder bimmelt.

Ach nein, es bimmelt ja nicht mehr – es singt in den schönsten Tönen deiner Lieblingsmusik, die du dann aber auch schon bald verfluchst, weil du das ständige blöde Gesinge nicht mehr ertragen kannst.
Ich sehne mich manchmal zurück zu den Zeiten, als ich noch die Tasten des Festnetztelefon drücken durftest, dass auf dem Flur durch die Schnur festgekettet war. Da war ein Anruf noch ein Erlebnis war und es war spannend, wer da anrief.

Und wenn dann der momentan aktuelle Schwarm tatsächlich dran war, dann musste man erst einmal nach Luft ringen und wenn es doch wieder „nur“ die Oma war, um zu erzählen, dann hat man sich trotzdem gefreut, da Anrufe generell selten und kostbar waren.

Es gab auch noch ein Besetztzeichen und keine bescheuerte Anrufklopffunktion, die einem bei einem wirklich wichtigen Telefonat den allerletzten Nerv rauben kann. Besonders wenn der zweite Anrufer es dann drei Mal innerhalb von fünf Minuten versucht.

All diesen Menschen verrate ich nun mal etwas:  Man kann eure Nummer sehen, denn diese Menschen die das tun, die zeigen ihre Nummer immer! Und wenn man telefoniert und aufgelegt hat, dann kann zurückrufen, wenn man nicht gerade bei einem anderen Kunden ist. Oder vielleicht auch erst später, wenn die Wut ein wenig verraucht ist und man am Telefon auch wieder lächeln kann.

Und wenn ich nicht zurück rufe, was sich dann auch nur auf den privaten Bereich beschränkt, dann möchte ich es vielleicht einfach auch nicht! Geschäftlich bin ich käuflich, das gebe ich offen zu – zahl mich und du bekommst mich. So einfach kann das manchmal sein.

Aber alles was mein Privatvergnügen angeht?

Seid mir nicht böse Leute, aber manchmal habe ich einfach weder Zeit oder gerade die Muße zurück zu rufen, da ich den ganzen Tag schon unterwegs war, den ganzen Tag schon geredet habe, den Kopf einfach voll habe oder gerade versuche mich auf etwas zu konzentrieren.

Oder einfach nur,  weil ich einfach mal unerreichbar und für mich sein will. Mein Zeit und meine Auszeit, das will ich und das brauche ich auch.

Das heißt jetzt nicht, dass jeder der mich gerade nicht erreicht, jetzt was Schlimmes von mir denken soll.

Aber wenn jeder mal ein bisschen selber nachdenken und ein bisschen an den anderen denken würde, bevor er gleich zum Smartphone greift und ihn mit Nachrichten bombardiert oder mit Fragen warum man nicht „erreichbar“ ist, dann hätten wir wahrscheinlich viel mehr Zeit und Lust, uns wieder zu begegnen und Zeit die schönen Dinge viel mehr zu genießen.