Samstag, 1. August 2015

Alle Tage wieder kommt das Nachbarskind…

Es ist Ferienzeit. Das merkt man neben den Urlaubern noch an zwei weiteren Dingen:

1.  Der Berufsverkehr morgens ist deutlich geringer und es ist insgesamt ruhiger.
2. Das Kindergekreische an den Nachmittagen und Abenden dafür umso lauter.

Ich habe heute Nachmittag versucht am PC zu arbeiten. Da ich auch sinnvolle berufliche Dinge schreiben muss, muss ich mich durchaus darauf konzentrieren. Denn wenn ich andere Menschen beraten möchte, müssen die Texte schon mit anspruchsvollen Inhalten gefüllt sein. Schließlich habe ich die Pflicht und auch den Anspruch an mich selbst, immer ein bisschen besser zu sein, als meine Kunden selbst. Ansonsten müssten sie mich ja auch nicht engagieren…

Also habe ich mich mit meinem täglichen Energiedrink voller Tatendrang vor den Computer gesetzt, die Balkontür geöffnet, zwecks guter Sauerstoffversorgung und habe losgelegt. Außer ein paar vereinzelten Autos, ein paar zwitschernden Vögeln oder gelegentlich vorbeikommenden Spaziergängern mit Ihren Hunden hört man in dieser Straße zum Glückgrundsätzlich auch nicht viel, so dass ich zu Beginn gut vorankam. Doch der Frieden währte nicht lange.

Denn zuerst kamen die „Rollerfahrer“. Das sind drei Kinder aus der erweiterten Nachbarschaft, die diesen kleinen Block nutzen, um ihn ständig zu umkreisen. Dabei plappern sie ohne Unterlass und was noch schlimmer ist: Diese Roller haben ganz ekelhafte, billige Plastikreifen, die sich nicht anhören, als würde etwas rollen, nein es klingt, als wenn man mit leeren Plastikflaschen über den Asphalt kratzt. Und dazu quietschen die Dinger laut und eintönig. Wie die Kinder selbst diese Geräuschkulisse ertragen können? Wahrscheinlich nur indem sie gegen den Lärm ankommen, mit ihren hellen Kinderstimmen, die höher und lauter werden, je aggressiver sie werden, weil einer zu schnell fährt und einer nicht nach kommt… Also Balkontür zu und versuchen die Geräusche, die man trotzdem noch wahrnimmt, wie jeden Laut, der einen reizt, versuchen zu ignorieren.

Nach einer gefühlten Ewigkeit waren diese Kinder endlich ganz verschwunden, da sie erst einmal müde geworden waren. Zeit sich neu zu konzentrieren und mit frischem Elan weitermachen. Balkontür wieder auf, damit die Hunde sich ein wenig sonnen konnten.

Und dann kam mein ca. 3-jähriges „Lieblingskind“ in den Garten. Es wohnt hier in einem der Reihenhäuser und beschallt bei seinen Auftritten die gesamte Straße. Dabei folgt immer der gleich Ablauf: Das Kind spielt am Anfang fröhlich und quiekt und juchst vor Freude – so soll es ja auch sein.

Aber nach ca. zehn Minuten kippt bereits die Stimmung. Es folgen die ersten Misstöne und danach hört man, wie das Kind seinen Eltern Befehle erteilt. Ja, es fordert seine Eltern auf zu spielen, wieder aufzuhören, etwas zu nehmen und zu geben und irgendwann folgt nur noch „Nein! Nein! Nein!“ von beiden Seiten. Und dann werden alle Register gezogen: Das Geschreie wird immer lauter, es poltert, es folgen lautere Anweisungen der Eltern, das endlich zu lassen und dann kommt das Finale: Das Kind soll wieder ins Haus gehen, kommt aber immer wieder raus und schreit wie am Spieß. Dieser ganze Vorgang hat sich heute über fast eineinhalb Stunden hingezogen…

Wie die Eltern selbst das ertragen können, bleibt ein Rätsel für mich. Wie sie es geschafft haben, ihr Kind so zu „erziehen“ ebenfalls.

Da meine Konzentration dann vollends hinüber war, habe ich mir meine beiden Hunde geschnappt, habe mir ein Hörbuch in die Ohren gehängt und habe im Nationalpark das Weite gesucht.
Ja, Lilly ist auch noch nicht perfekt erzogen, aber wir arbeiten daran und für mich ist ein Bellen auch einfach leichter zu ertragen als das Theater. Darum habe ich ja auch Hunde. Und es ist auch gut, dass diese beiden NICHT sprechen können, denn dann hätte ich auch nichts zu lachen, bei diesen Energiebündeln.


In diesen Sinne euch allen da draußen eine ruhige Zeit :-)