Freitag, 11. Dezember 2015

VON DEM FLUCH IMMER ERREICHBAR SEIN ZU MÜSSEN

Ich bin dann mal weg – wie gerne würde ich das viel öfters sagen, doch wie oft kommt das eigentlich vor, dass man sich mal „rarmachen“ kann? Rarmachen darf? Ok, ich bin selbstständig und auch immer gerne für meine Kunden da – wenn es nicht gerade morgens vor halb acht ist. 

Aber was ist mit der kurzen und kostbaren privaten Zeit? Und wie oft, wird selbstständig damit verwechselt, dass man sich ja für alles und jeden auch Zeit nehmen kann, wenn man das bloß will?

Wenn man ehrlich ist, darf man doch fast gar keine Nachricht nicht mehr lesen und kein Telefonat nicht mehr annehmen. Überall musst du präsent sein. Du bist durchsichtig und online. Du sieht, wann wer was bei facebook postet, du siehst die verdammten blauen Häkchen bei WhatsApp und jeder erwartet, dass du dein Telefon überall mit hinnimmst bzw. deinen Toilettengang nach Möglichkeit sofort abbrichst, wenn deine Smartphone wieder bimmelt.

Ach nein, es bimmelt ja nicht mehr – es singt in den schönsten Tönen deiner Lieblingsmusik, die du dann aber auch schon bald verfluchst, weil du das ständige blöde Gesinge nicht mehr ertragen kannst.
Ich sehne mich manchmal zurück zu den Zeiten, als ich noch die Tasten des Festnetztelefon drücken durftest, dass auf dem Flur durch die Schnur festgekettet war. Da war ein Anruf noch ein Erlebnis war und es war spannend, wer da anrief.

Und wenn dann der momentan aktuelle Schwarm tatsächlich dran war, dann musste man erst einmal nach Luft ringen und wenn es doch wieder „nur“ die Oma war, um zu erzählen, dann hat man sich trotzdem gefreut, da Anrufe generell selten und kostbar waren.

Es gab auch noch ein Besetztzeichen und keine bescheuerte Anrufklopffunktion, die einem bei einem wirklich wichtigen Telefonat den allerletzten Nerv rauben kann. Besonders wenn der zweite Anrufer es dann drei Mal innerhalb von fünf Minuten versucht.

All diesen Menschen verrate ich nun mal etwas:  Man kann eure Nummer sehen, denn diese Menschen die das tun, die zeigen ihre Nummer immer! Und wenn man telefoniert und aufgelegt hat, dann kann zurückrufen, wenn man nicht gerade bei einem anderen Kunden ist. Oder vielleicht auch erst später, wenn die Wut ein wenig verraucht ist und man am Telefon auch wieder lächeln kann.

Und wenn ich nicht zurück rufe, was sich dann auch nur auf den privaten Bereich beschränkt, dann möchte ich es vielleicht einfach auch nicht! Geschäftlich bin ich käuflich, das gebe ich offen zu – zahl mich und du bekommst mich. So einfach kann das manchmal sein.

Aber alles was mein Privatvergnügen angeht?

Seid mir nicht böse Leute, aber manchmal habe ich einfach weder Zeit oder gerade die Muße zurück zu rufen, da ich den ganzen Tag schon unterwegs war, den ganzen Tag schon geredet habe, den Kopf einfach voll habe oder gerade versuche mich auf etwas zu konzentrieren.

Oder einfach nur,  weil ich einfach mal unerreichbar und für mich sein will. Mein Zeit und meine Auszeit, das will ich und das brauche ich auch.

Das heißt jetzt nicht, dass jeder der mich gerade nicht erreicht, jetzt was Schlimmes von mir denken soll.

Aber wenn jeder mal ein bisschen selber nachdenken und ein bisschen an den anderen denken würde, bevor er gleich zum Smartphone greift und ihn mit Nachrichten bombardiert oder mit Fragen warum man nicht „erreichbar“ ist, dann hätten wir wahrscheinlich viel mehr Zeit und Lust, uns wieder zu begegnen und Zeit die schönen Dinge viel mehr zu genießen.