Samstag, 20. Juni 2015

Eine offene und ehrliche Entschuldigung an jemanden, den ich zum (Über-) Leben brauche


Es ist nicht immer leicht, die richtigen Worte zu finden, wenn man sich entschuldigen muss. Und wenn man es noch auf diesem Wege öffentlich macht, dann realisieren auch andere noch, was man eigentlich für einen Bockmist gebaut hat. 

Aber trotzdem und genau deswegen, damit ich selbst aus meinen Fehlern lerne, werde ich es heute einfach tun:

Mein Lieber,

als es dir neulich schlecht ging, habe ich mich mal wieder gefragt, woran das liegt und ob ich eigentlich gut zu dir bin? Ob ich mit unserem Zusammenleben zufrieden bin? Ob ich immer fair zu dir bin? Ob ich manchmal zu ungeduldig bin? Ob ich nicht manchmal auch ein bisschen zu viel von dir verlange? 

Und wenn ich mein Handeln betrachte, dann schäme ich mich und möchte dir sagen, dass mir folgendes leid tut:

Ich nörgele ständig an dir herum, ich bin nie mit dir zufrieden. Ich möchte es immer noch anders, noch besser, noch schneller, noch effektiver haben. Ich hetze dich herum, ich gönne uns zu wenig Zeit für uns, kaum Zeit zum Entspannen, da immer alles andere wichtiger erscheint.

Ständig weiß ich alles besser, treffe Entscheidungen, ob wohl ich weiß, dass du sie nicht gutheißen wirst.

Nach einem anstrengenden Tag, relaxe ich nicht einfach mit dir vor dem Fernseher, höre dir nicht zu. Nein, da ist das Smartphone, das Tablet und der PC und da ich ja multitaskingfähig bin, wird alles genommen, an alles gedacht: nur an dich nicht.

Ich habe blöde Angewohnheiten, die du strikt ablehnst, aber ich mach es trotzdem: Ich rauche zu viel, ich trinke auch mal zu viel, ich höre zu laute Musik, die dir in den Ohren dröhnt. Ich bleibe oft viel zu lange wach.

Ich überhöre dein Gähnen und deinen Wunsch ins Bett zu gehen und daher beginnt unser Tag mit Murren und Knurren, dabei sollte ich dankbar sein, für jeden Tag, den ich mit dir beginnen darf.

Ich kann verstehen, dass du morgens sauer reagierst, dass du protestierst, dass du mir zeigst, wie weh ich dir tue. Und ich ärgere mich über mich selbst und wieder muss ein Energydrink den Morgen für uns retten.

Und ich spüre, dass es dich stresst. Ich sehe, dass du älter wirst und es nicht leichter wird. Und ich frage mich, warum ich all das tue ich das, wenn ich weiß, dass es falsch ist?

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Oder etwa eher umgekehrt?!

Alles soll immer funktionieren, dabei ist es ein Wunder, ….dabei bist DU ein Wunder ….und der einzige mit und in dem ich leben kann….


Verzeih mein lieber Körper, dass ich dich nicht immer so behandele, wie du es verdienst…